Europawahl am 25. Mai 2014
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24.04.2014, 14:58 Uhr | KNUT ABRAHAM, Botschaft Washington Übersicht | Drucken
Europa-Wahlkampf zwischen Potsdam und Potomac

Endgültig Europäer bin ich, seit ich in Amerika auf Posten bin. Denn man erkennt von außen viel einfacher, wie stark die europäische Identität ist. Und man sieht, dass wir eine gut organisierte Europäische Union brauchen, wenn wir uns in der Konkurrenz zu den USA, zu China und zu anderen aufstrebenden Weltregionen behaupten wollen.

Während sich in den USA Einwanderer aufgemacht haben, zu einer starken Nation zu verschmelzen, ist es in Europa die Vielfalt an Völkern und Volksgruppen mit jeweils ganz eigener Identität, aber einer gemeinsamen Kultur- und Geistesgeschichte, die Europas Besonderheit ausmacht. Europa ersetzt nicht die regionale und nationale Identität, sondern ist Teil und Dach derselben. Eben gerade weil ich Brandenburger und Deutscher bin, bin ich auch Europäer. Dies im Wahlkampf zu transportieren, ist nicht einfach. Ich versuche, für jeden Ort, in dem ich zu einer Veranstaltung eingeladen bin, die spezifischen lokalen Bezüge zu Europa aufzuzeigen. Dazu schaue ich stets in die jeweilige Stadtgeschichte. Herzberg an der Elster, Finsterwalde, Prenzlau, Guben oder Rathenow - ganz Brandenburg ist eine Region, in der sich seit alters her politische, wirtschaftliche, geistliche und kulturelle Wege kreuzen. Europa war und ist nie „ganz weit weg“. Hier wüteten Auseinandersetzungen des dreißigjährigen Krieges mit Schweden, Österreichern und vielen anderen. Zuletzt waren die Russen da. Brandenburg ist heute zwar nicht Mittelpunkt, aber doch Mitte Europas. Mit der Wiedervereinigung kam die EU. Diese Lage hatte noch nie so viele Vorteile wie heute.
Der Spagat zwischen Potomac und Potsdam ist eine Herausforderung. Politik und Partei in Brandenburg verlangen Präsenz. Da ist der Wohnort in Amerika ziemlich egal. Andererseits wird einem AA-Angehörigen abgenommen, dass man die europäische Arbeit, die internationale Ebene „kann“.
Allerdings fragte mich auf dem Aufstellungsparteitag der CDU Brandenburg ein Journalist, „Warum tun Sie sich das eigentlich an?“ Gute Frage, denn von einem tatsächlichen Einzug in das Europäische Parlament bin ich auf Platz drei weit entfernt. Meine Antwort – gerade mit dem Blick aus Amerika auf Europa – lautete: Die Europäische Union ist das Beste, was ihren Völkern in ihrer Geschichte eingefallen ist! An ihrer Zukunft ein klein wenig mitarbeiten kann man auch als EP-Kandidat aus Amerika. Und – ehrlich gesagt: Es macht mir Spaß.
Wie die brandenburgischen Wählerinnen und Wähler auf die Kandidatenzeile auf dem Wahlzettel „CDU (Listenplatz drei)  – Knut Abraham, Potomac, Maryland, USA“ reagieren, werden wir am 25 Mai, dem Tag der Wahl, sehen.

      
 



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